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Inklusion der Generationen | SichtWeisen | Foto von Andrea Piacquadio von Pexels

Die neuen „Alten“: Inklusion der Generationen

Wenn wir über Gleichberechtigung sprechen, müssen wir auch über Vorurteile und Diskriminierung reden. Während immer mehr gängige Stereotypen hinterfragt und überwunden werden, bleibt die Generation 60+ außen vor.

Alt, hilflos, pflegebedürftig – Das Bild des alternden Menschen ist nach wie vor vom „Defizitmodell“ geprägt. Produktivität wird mit Erwerbsfähigkeit gleichgesetzt. Diesen Erwartungen können alternde Menschen mit Pensionseintritt nicht mehr gerecht werden. Die gesellschaftliche Teilhabe endet und der „Homo oeconomicus“ drängt alternde Menschen an den Rand der Gesellschaft. Eine Umfrage vom Gemeindebund in Österreich (2017) zeigt deutlich, dass altern negativ behaftet ist und mit Sorgen einhergeht. 81% der befragten 60- bis 69-Jährigen gaben an, Angst vor gesundheitlichen Problemen zu haben, 50% fürchten sich vor zu wenig sozialen Kontakten.

Inklusion statt Exklusion

Doch es wird auch mit Wünschen in die Zukunft geblickt: soziale Sicherheit und körperliche wie geistige Fitness sind die wichtigsten Punkte für ältere Menschen dieser Generation. Doch diese neuen „Alten“ unterscheiden sich nicht nur vom allgemein besseren Gesundheitsbewusstsein von den vorherigen Generationen. Sie sind politisch engagierter, aktiver und gebildeter. Durch Freiwilligkeit und Engagement, verbunden mit dem beachtlichen Aktivierungspotenzial, können wertvolle Ressourcen für die Gesellschaft geschaffen werden. Um diese sinnvoll einsetzen zu können, müssen gesellschaftliche Teilhabe und Angebote geschaffen bzw. ausgeweitet werden, z. B. durch attraktivere (Weiter-)Bildungsmöglichkeiten für Seniorinnen und Senioren, anspruchsvollere geistige Aktivitäten, generationenübergreifende Projekte und Übernahme gesellschaftlicher Aufgaben.

Aktives Altern

So wie die Stereotype „Mann“ und „Frau“ als soziale Konstrukte hinterfragt und überwunden werden, muss auch der Altersbegriff in einer inklusiven Gesellschaft neu gestaltet und gedacht werden. Österreich will mit dem „Bundesplan für Seniorinnen und Senioren“ die alte Denkweise umgestalten. Wichtiger Punkt dafür ist das Konzept des aktiven Alterns. „Aktives Altern“ beschreibt eine neue Denkweise gegenüber alternden Menschen, die aktiv und engagiert sind und sich an der Gesellschaft beteiligen wollen. Dieses moderne Menschenbild soll Teilhabe, als Grundvoraussetzung sozialer Interaktion, Gesundheit, Sicherheit und Lebensqualität verbessern. Die generelle Teilnahme an Aktivitäten, die als sinnvoll und nützlich empfunden werden, ermöglichen es Menschen ihre Kompetenzen zu realisieren und dadurch Respekt und Wertschätzung zu erfahren. Das dadurch entstehende Erleben der „Selbstwirksamkeit“ fördert die Lebenszufriedenheit.
Aktivität und Bildung sind über die ganze Lebensspanne hinweg wichtige Bedingungen, um ein selbstbestimmtes Leben (weiter)führen zu können. Da es uns alle betrifft, ob Jung oder Alt, darf es nicht mit dem Einstieg in die Pension enden. Denn wie Udo Jürgens einst sang:

 „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an. Mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran. Mit 66 Jahren, da kommt man erst in Schuss. Mit 66 ist noch lange nicht Schluss.“

Udo Jürgens, Mit 66 Jahren, 1977
Annalena Hassler

Annalena Hassler

Annalena Hassler (23) ist gebürtige Vorarlbergerin und Lehramtsstudentin für die UF Deutsch und Psychologie sowie Philosophie an der Universität Wien. Für SichtWeisen möchte sie unter anderem auf aktuelle politische und soziokulturelle Themen eingehen, allen voran auf innovative Konzepte und alternative Überlegungen und die Frage, ob und wie diese den Bodenseeraum beeinflussen können.

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