SichtWeisen

Silver Society: Das Potential nach der Pension

Unsere Gesellschaft wird immer älter. Aktuell sind in Österreich 19 % über 65 Jahre alt, Tendenz steigend. Unsere Gesellschaft wird aber auch immer vitaler. In der „Silver Society“ liegt Potential, um unter anderem die bereits angespannte Situation der Pensionssysteme zu entlasten.

Die demografische Entwicklung zeigt, dass sich die Altersstruktur zu den älteren Bevölkerungsgruppen hin verschiebt, welche sich im gesamten Bodenseeraum beobachten lässt. Relevant werden diese Zahlen in Anbetracht dessen, dass in diesem Alter viele Menschen ihre Pension antreten. Und besonders relevant werden sie, wenn Expert*innen in Wirtschaft und Ökonomie eine Zukunft prognostizieren, in der es bald verhältnismäßig zu wenig Beitragszahler*innen für die Empfänger*innen gibt. Spätestens dann betreffen die oben genannten Zahlen nicht nur die zukünftigen Pensionist*innen, sondern stellen eine gesellschaftspolitische Herausforderung dar. Wie werden die Pensionssysteme finanziert, wenn die Beitragszahlenden die stetig steigende Anzahl an Pensionist*innen finanziell nicht mehr tragen können? Sollen Arbeitnehmer*innen zukünftig höhere Beiträge einzahlen? Die Pensionshöhe gesenkt oder das Pensionseintrittsalter erhöht werden? 

Arbeiten bis ins hohe Alter?

Umlagefinanzierte Pensionssysteme stoßen aktuell an ihre Grenzen – der Vorschlag einer erneuten Anhebung des Pensionseintrittsalters löst derzeit in Deutschland ein weiteres Mal eine Kontroverse aus. Das Argument, die steigende Lebenserwartung in Relation zu den Arbeitszeitjahren zu setzen, steht der Frage gegenüber, wie viele Personen tatsächlich bis ins hohe Alter ihre Arbeit ausüben können. Besonders Menschen, die Jahrzehnte lang psychisch und körperlich belastende Tätigkeiten ausgeübt haben, werden so noch mehr belastet. Denn mehr Arbeitsjahre bedeuten im Endeffekt auch eine kürzere Pension. Hier muss von der Politik sichergestellt werden, dass diese Menschen in einem angemessenen Alter aus der Berufswelt aussteigen können, ohne Abzüge in Kauf nehmen zu müssen. Es gibt jedoch auch viele Menschen, die gerne noch länger in ihrem Beruf bleiben möchten, es aber nicht dürfen. 

Es braucht Ideen mit individuellen Lösungen

Die Lebenssituationen sowie die körperliche Gesundheit sind unterschiedlich und individuell – eine einheitliche, für alle anwendbare und nachhaltige Lösung scheint schwierig. Hier gilt es Ideen zu entwickeln und sich gegen den Konformitätszwang der Arbeitswelt zu stellen. Menschen sind unterschiedlich und haben verschiedene Bedürfnisse. Der Arbeitsmarkt und das gesetzliche Pensionssystem müssen generell Modelle bereitstellen, die auf die Fähigkeiten älterer Arbeitnehmer*innen angepasst sind. Es gibt viele ältere Menschen, die aus Gründen der sozialen Teilhabe und Verantwortung, über das Pensionseintrittsalter hinaus, weiterhin im Berufsleben bleiben wollen. Die Arbeitsbedingungen müssen jedoch verändert werden. Weiterbildungen, die digitale Kompetenzen fördern, barrierefreie Zugänge und angepasste Arbeitszeiten sind Ansätze, um diesen Menschen möglichst lange ein verantwortungsvolles und sicheres Arbeiten zu ermöglichen.

Alleine die Erhöhung von Beitragszahlungen der jüngeren Generation sowie die Erhöhung des Pensionseintrittsalters scheinen weder für die jüngere noch für die ältere Generation faire Lösungen für das Finanzierungsproblem der Pensionssysteme zu sein. Die Politik muss nachhaltige und individuelle Arbeitsmodelle entwickeln, die das Potential der „Silver Society“ bestmöglich ausschöpfen, weitere Arbeitsjahre attraktiv und umsetzbar machen und die jüngeren Generationen damit zukünftig entlasten.

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Annalena Hassler

Annalena Hassler (23) ist gebürtige Vorarlbergerin und Lehramtsstudentin für die UF Deutsch und Psychologie sowie Philosophie an der Universität Wien. Für SichtWeisen möchte sie unter anderem auf aktuelle politische und soziokulturelle Themen eingehen, allen voran auf innovative Konzepte und alternative Überlegungen und die Frage, ob und wie diese den Bodenseeraum beeinflussen können.

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