SichtWeisen
Innovation Kommentar | Bild von Dean Moriarty auf Pixabay

Kommentar: Neu ist nicht gleich besser

Aus dem lateinischen innovare abgeleitet, heisst Innovation wörtlich Neuerung beziehungsweise Erneuerung. Der gegenwärtige, neoliberale Zeitgeist betrachtet Innovation in erster Linie als wirtschaftliches Phänomen.

Schon vor hundert Jahren hat Österreichs bekanntester Ökonom, Joseph Schumpeter, die Schlüsselrolle des Innovationprozesses für den Wettbewerb beschrieben. In der Schweiz ist Innovation gar längst zur nationalökonomischen Überlebensstrategie geworden. Da hierzulande die Verhältnisse für kostenkompetitive Massenproduktion fehlen, setzt man auf Spezialisierung und Innovation. Zukunftsweisende Institutionen wie die ETH haben frühzeitig dafür gesorgt, dass heutzutage Schweizer Exporte weltweit gefragt sind.

So lässt sich denken, dass Innovation um jeden Preis stattfinden muss. Gerade aber in Zeiten der digitalen Entwicklung, in der jede Erneuerung das Potenzial hat, unsere Gesellschaft komplett umzugestalten, müssen wir darauf achten, wem Innovation zugutekommt. Die chinesische Regierung hat jahrelang digitale Innovation gefordert, indem sie Internetkonzerne wie Tencent und Alibaba unterstützt hat. Heute kann beobachtet werden, wie sie diese Unternehmen zum Ausbau eines totalen Überwachungssystems drängt, welches das berüchtigte Sozialkredit-System ermöglichen soll. Neuste digitale Technik wird also instrumentalisiert, um eine veraltete, autoritäre Staatsform am Leben zu halten. Angesichts dieser perversen Entwicklung behaupte ich: Innovation soll weder zur autoritären noch zur kapitalistischen Selbsterhaltung dienen. Neue Technologien sind nur das wert, was sie zu einer besseren, faireren Gesellschaft beitragen können.

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Leander Lelouvier

Leander Lelouvier (21) ist gebürtiger Südtiroler, hat in den Niederlanden internationale Beziehungen studiert und wohnt heute in Zürich, wo er als freier Journalist schreibt. Am meisten interessiert er sich für die lokalen Auswirkungen globaler Entwicklungen. Wie diese die Bodenseeregion prägen, dem wird Leander im kommenden Jahr für SichtWeisen nachgehen.

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SichtWeisen – ein Projekt der IBK

Unter «SichtWeisen» werden relevante (Zukunfts)Themen von sechs Jungjournalist*innen professionell aufgearbeitet. «Next Generation Bodensee» möchte mit diesem Projekt der nächsten Generation im IBK-Raum eine politische Stimme geben.