SichtWeisen

Eine virtuelle Brücke

Forscher*innen als Medienstars, Podcasts mit Millionenpublikum, Experimente mit ungewohnten Formaten: Die Corona-Pandemie sorgt in der Wissenschaftskommunikation für viele neue Erkenntnisse. Drei Universitäten wollen daraus einen Werkzeugkasten für den digitalen Austausch zwischen Hochschulen und Gesellschaft entwickeln.

Ein Wissenschaftler, der mit seinem täglichen, manchmal 90 Minuten langen Podcast zu seinem Spezialgebiet über eine Million Abrufe pro Folge erzielt und den wichtigsten Medienpreis des Landes gewinnt: Das zählt zu den medialen Phänomenen, die vor 2020 fast unvorstellbar erschienen. Dabei ist das Beispiel des deutschen Virologen Christian Drosten, der für sein vom NDR produziertes „Coronavirus-Update“ unter anderem mit dem Grimme Online-Award geehrt wurde, nur ein Beispiel dafür, wie sehr Wissenschaftskommunikation in den vergangenen Monaten ins Zentrum öffentlicher Wahrnehmung gelangt ist.

Allerdings: Die Corona-Krise ist nur der extreme Katalysator einer längerfristigen Entwicklung. „Seit etwa fünf Jahren nimmt das Interesse an Wissenschaftskommunikation linear zu“, weiss Julia Wandt, Vorsitzende des Bundesverbandes Hochschulkommunikation und bis zu ihrem Wechsel an die Universität Freiburg im Frühjahr 2021 Leiterin der Stabsstelle Kommunikation und Marketing der Universität Konstanz. 

Angesichts der erzwungenen Ad hoc-Digitalisierung entstanden in den vergangenen Monaten zudem viele frische Erfahrungen und neue Kompetenzen im Bereich der virtuellen Hochschulkommunikation. Im Projekt Virtual U wollen die IBH-Universitäten Konstanz und Zürich gemeinsam mit der Universität Basel Best-Practices sammeln und einen Werkzeugkasten für den digitalen Austausch zwischen Hochschulen und Gesellschaft entwickeln. Der Fokus des Projekts liegt dabei zunächst auf digitalen Events – sei es der digitale „Dies Academicus“ oder die Online-Zeugnisvergabe. Im Austausch mit Expert*innen ausserhalb der Wissenschaft will man zudem weitere Formate der virtuellen Wissenskommunikation integrieren und zugleich besser verstehen, welche Ansprüche und Bedarfe unterschiedliche Zielgruppen an die Präsentation wissenschaftlicher Erkenntnis haben.

Das Ergebnis wird eine Toolbox sein, in der Kommunikator*innen der Hochschulen sich von guten Beispielen anregen lassen können. „So muss man das Rad nicht immer neu erfinden und kann im Alltag hoffentlich schneller Entscheidungen für das richtige Format treffen“, erklärt Sandra Wagner, stellvertretende Leiterin der Rektoratsdienste an der Universität Zürich.

Von Jens Poggenpohl

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