SichtWeisen

Fake News: die Medien stehen in der Verantwortung

Fake News, oder bewusst verbreitete Falschnachrichten zu Manipulationszwecken, haben sich während der Pandemie auch in der Bodenseeregion verbreitet. Vorher waren sie für uns lediglich fremde Begriffe, Inzwischen hat sich mit dem Begriff Desinformation auch ein deutsches Pendant gefunden. Sie verbreiten sich rasend schnell auf sozialen Medien wie Facebook oder Twitter, wo sie anhand von Algorithmen Personen angezeigt werden, welche am ehesten mit der Nachricht hinter der Falschmeldung einverstanden sind, womit diese in ihrem Irrglauben bestätigt werden. Es liegt nun am Verantwortungsbewusstsein der Medienunternehmen, diese Desinformation zu unterbinden.

Heutzutage haben Fake News Hochkonjunktur. Laut dem Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög) der Universität Zürich macht sich rund die Hälfte der Schweizer Bevölkerung grosse Sorgen um Falschnachrichten. Das Forschungszentrum zeigt auf, dass die Menschen in der Schweiz bezüglich des Themas Desinformation ein stärkeres Problembewusstsein zeigen. Dieses sollte genutzt werden, um vertrauenswürdige Quellen zu fördern und dabei das Grundproblem der Fake News zu adressieren

Dafür braucht es in einem ersten Schritt eine Übersicht darüber, wo Desinformation überhaupt entsteht und wie sie verbreitet wird. In einer Befragung des Fög wurden als Hauptkanäle von Falschinformationen soziale Medien, Alternativmedien, Videoportale wie YouTube, und Messaging-Apps wie Telegram genannt. Die Falschnachrichten kamen laut der Befragung hauptsächlich aus der Feder von Aktivist*innen, Bots auf sozialen Medien, Politiker*innen, sowie gewöhnlichen Bürger*innen. Die Resultate der Befragung sind in Darstellung 1 und 2 genauer aufgelistet.

Quelle: fög Universität Zürich (2021). Jahrbuch Qualität der Medien. Hauptbefunde 2021

Desinformation kommt demnach hauptsächlich von Individuen nicht institutionellen Akteuren. Die befragten Schweizer*innen vertrauen vielmehr den Medieninstitutionen und Behörden, und somit rangieren diese bei den Urheber*innen von Falschinformationen als letzte.

Daraus ergibt sich eine Verantwortung für Medienunternehmen: sie müssen der Desinformation mit sachlichen Informationen gemäss den journalistischen Qualitätsrichtlinien entgegnen. Dies sollte nicht nur reaktiv auf bereits in Umlauf gesetzte Falschinformationen geschehen, sondern auch und insbesondere proaktiv, indem allfällige Bedenken bei gesellschaftlichen Entwicklungen vorweggenommen und objektiv analysiert sowie eingeordnet werden.

Dabei dürfen Andersdenkende nicht marginalisiert werden, da ansonsten eine Radikalisierung droht und diese immer weiter in die meinungsbestätigende Falle der sozialen Medien, Alternativmedien und Videoportalen fallen. Medienhäuser müssen hingegen für alle einfach zugänglich sein, egal ob Kinder, Studierende, Arbeitende oder Senior*innen. Nur mit einem solch breit gefächerten Angebot kann der Desinformation effektiv entgegengewirkt werden und der gesellschaftliche Diskurs auf einer grösstenteils objektiven Grundlage erfolgen, ohne dass erst der Wahrheitsgehalt in Zweifel gezogen werden muss.

Info-Box

Weitere Informationen: Bezüglich Fake News und (Schweizer) Medien lohnt sich die Lektüre des Jahrbuches über die Qualität der Medien 2021 (PDF) vom Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft.

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Patrick Louis

Patrick Louis (21) kommt aus der Schweiz, ist aber in verschiedenen europäischen Ländern aufgewachsen. Daher interessiert ihn die internationale Kooperation im Bodenseeraum besonders. Für SichtWeisen greift er regionale Themen mit überregionalem Hintergrund auf.

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