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E-Scooter als Mobiltätslösung | SichtWeisen | Bild von Thomas Wolter auf Pixabay

Roller 2.0

Bist du als Kind mit dem Roller auf und ab gedüst oder hast dich vielleicht sogar auf den Skateplatz gewagt? Der klassische Tretroller hat nun ein Update bekommen und fungiert als Mobilitätsalternative in zahlreichen grösseren Städten.

Ungezählte Startups sind in den letzten Jahren aus dem Boden geschossen und mit ihnen die E-Scooter, die nun an jeder Ecke zu finden sind. Ist das die neue, umweltfreundliche Form der Städte-Mobilität?

Weniger Autos, mehr E-Scooter?

Die meisten Leih-Anbieter von E-Scootern werben damit, mit den Rollern ganz einfach den Stau zu umgehen. Ein gutes Argument, denn Deutsche beispielsweise verbringen jedes Jahr durchschnittlich 120 Stunden im Stau. In grösseren Städten ist es sogar deutlich mehr „verlorene Zeit“. Die E-Scooter könnten einen wertvollen Beitrag zur Verkehrsentlastung leisten. Jedoch zeigen Studien, dass die durchschnittlich gefahrene Strecke nur zwei Kilometer lang ist – eine Strecke, die man locker zu Fuss oder mit einem Fahrrad zurücklegen kann. Somit trägt die Nutzung von E-Scootern leider nur wenig zur Entlastung auf der Strasse bei. Die Roller sind nur für ganz wenige eine Alternative zum Auto.

Ökologischer Reifenabdruck

Die Einsparung von CO2 Emissionen wird oftmals in einem Atemzug mit E-Scootern betont. Bei einer Fahrt mit dem Roller stösst man klarerweise kein CO2 aus. Gesamthaft betrachtet ist die Ökobilanz der Roller jedoch nicht so glänzend, wie sich vielleicht vermuten lässt. Eine Studie aus den USA besagt, dass eine Fahrt in einem vollbesetzten Dieselbus umweltfreundlicher als die Fahrt mit dem E-Scooter wäre. Die Gründe für die überraschend hohen CO2Emissionen liegen in der Herstellung und dem verwendeten Material. Fast alle E-Scooter werden in China produziert. Der Strom für die Produktion kommt dort beinahe ausschliesslich aus dem Kohlekraftwerk. Besonders die Herstellung des Akkus verbraucht beträchtliche Energiemengen. Hinzu kommt die vergleichsweise kurze Lebensdauer der Verleihmodelle. Ein weiterer Faktor sind die Ladefahrten in den Städten. Diese werden meist von Dieseltransportern übernommen und sind selten gut strukturiert. Es entstehen unnötige Mehrfahrten oder Scooter werden mitgenommen, obwohl der Akku noch genügend geladen wäre.

Mehr Achtsamkeit gefragt

Die E-Scooter sind definitiv eine spannende Form der Mobilität, jedoch liegt der Spassfaktor im Zentrum. Die tatsächliche Ökobilanz lässt zu wünschen übrig und vielfach sorgen die Roller und die teils übermütigen Nutzer für mehr Chaos auf den Strassen. Mehr Achtsamkeit im Umgang mit den Geräten und auf der Strasse selbst wird neben der Lebensdauer auch den Nutzen verbessern. Trotzdem ist man gerade bei kurzen Strecken zu Fuss am mobilsten und sollte diese Option nicht verschmähen!

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Lisa-Maria Neussl

Lisa-Maria Neussl

Lisa-Maria Neussl (28) hat im Rahmen ihres Studiums und zahlreicher Urlaube die Bodenseeregion kennen und lieben gelernt. Bei SichtWeisen beleuchtet sie Hintergründe gesellschaftlicher Trends und liefert Argumente zu aktuellen politischen Themen.

2 Kommentare

  • Interessanter Punkt, und zurecht: zu Fuss ist vieles ebenso erreichbar. Meine Uni liegt allerdings auf einem Hügel und ich wohne unten in der Stadt; wenn es schnell gehen muss, muss ich oftmals zwischen Bus und Scooter entscheiden. Und da der Scooter nicht fahrplangebunden ist und auch bergauf locker 20km/h schafft, ist er in meinem Fall doch eine wertvolle Alternative!