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SichtWeisen | Digitale Schule als Game Changer?

Digitale Schule als Game Changer?

Bis zum Frühjahr 2020 hatte sich der Stundenplan einer gewöhnlichen Schule kaum mit dem im Jahre 1920 unterschieden. Zu den Grundkompetenzen zählten lesen, schreiben und rechnen. Die Coronakrise leitete aber eine (ungewollte) Trendwende in Sachen Digitalisierung ein. Plötzlich war digitales Lernen gefragt. Ist die digitale Schule das Modell der Zukunft?

Schule geht jetzt anders, nämlich mit hoher Eigenverantwortung, enormer Selbstorganisation und mit routiniertem Umgang digitaler Medien. All dies sind Eigenschaften, die in unserem aktuellen Schulkonzept bis jetzt tendenziell vernachlässigt wurden. Besonders der Einsatz digitaler Elemente wird vielfach bei der jungen Generation vorausgesetzt, weil z. B. das Swipen schon die Kleinsten beherrschen. Schüler*innen sollten aber im Rahmen ihrer Schullaufbahn digitale Grundkompetenzen systematisch erlernen können.

Vision der Schüler*innen

In einem Wettbewerb der Universität Liechtenstein konnten Schüler*innen ihre Vision der Schule der Zukunft darlegen. Auffallend dabei, dass digitale Lösungen einen hohen Stellenwert geniessen. Einerseits wird beispielsweise von einer App geträumt, die neben dem Stundenplan auch eine Übersicht der Hausaufgaben, Noten oder Anwesenheit gibt (HAK Feldkirch und HLW Rankweil). Oder von einem Persönlichkeitstest, der möglicherweise sogar mit Hilfe künstlicher Intelligenz Module zuteilt, die auf die individuellen Interessen der Schüler*innen zugeschnitten sind (HAK Lustenau).

Mehr als Technik

Eine digitale Schule heisst also nicht nur, dass die Ausstattung ein Upgrade bekommt. Klarerweise hat die altbewährte grüne oder schwarze Tafel bereits ausgedient, smarte Boards sind der aktuelle Status quo. Aber eine zukunftsfähige Schule, die auch die richtigen Lebenskompetenzen vermittelt, bedeutet einen grundlegenden Wandel im Rollenverständnis an sich. Erste erfolgreiche Modellversuche zeigen, dass die klassische Schulsituation schon bald der Vergangenheit angehören könnte. Die Lehrkraft, die bisher vorne steht und lehrt, bekommt eine neue Funktion als pädagogische/r Mentor*in, die selbstorganisierten Schüler*innen bei ihren Aufgaben tutorenartig unterstützt. Kinder und Jugendliche sind dank technischer Mittel freier in der Gestaltung ihres eigenen Schulalltages.

Chance nutzen

Das aus der Not entwickelte Home-Schooling ist sicherlich nicht vergleichbar mit dem Erlernen digitaler Grundkompetenzen oder E-Learning-Elementen, birgt aber den Vorteil, dass der Fokus der Bildungsministerien vermehrt auf digitale Konzepte gelegt werden musste. Dieser Impuls sollte gerade jetzt als Chance für eine Systemänderung vorangetrieben werden. Ein länderübergreifender Austausch, beispielhaft in der IBK-Region, läge nahe, um einerseits vom gegenseitigen Austausch zu profitieren und andererseits die grenzüberschreitende Vernetzung zu unterstützen. Das Zukunftsmodell Schule ist jedoch keine Frage der Digitalisierung, sondern bedarf einer Verbesserung des Organismus Schule an sich. Kinder und Jugendliche benötigen neue (digitale) Kompetenzen, um sich in der Lebens- und Arbeitswelt von morgen zurechtzufinden.

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Lisa-Maria Neussl

Lisa-Maria Neussl

Lisa-Maria Neussl (28) hat im Rahmen ihres Studiums und zahlreicher Urlaube die Bodenseeregion kennen und lieben gelernt. Bei SichtWeisen beleuchtet sie Hintergründe gesellschaftlicher Trends und liefert Argumente zu aktuellen politischen Themen.

1 Kommentar

  • Danke für den Beitrag. Gerade bzgl. Fernunterricht wäre ein grenzüberschreitende Austausch sehr wertvoll, denn man könnte von den Erfahrungen des Nachbarn lernen,

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