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Gemeinsames Verständnis von Mobilität | SichtWeisen | Bild von S. Hermann & F. Richter auf Pixabay

Kommentar: Für ein gemeinsames Verständnis von Mobilität

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Und trotzdem, die Beiträge zu Innovation auf SichtWeisen haben aufgezeigt: Innovation treibt Fortschritt. Genau deshalb dürfen wir nicht stehenbleiben. Das Auto war seinerzeit eine revolutionäre Erfindung, und hat heute noch grosse Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Jetzt ist aber Wandel gefragt – doch Fortschritt wird im Bereich der Mobilität nur langsam erreicht. Das Auto bietet noch immer die grösste Flexibilität im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln. Warum also umsteigen auf fahrplangebundene Züge oder langsamere Velos?

Negative externe Effekte fallen nicht direkt beim Fahrer an

Autos weisen in mehrfacher Hinsicht mehr negative externe Effekte als seine Alternativen auf. Externe Effekte sind ein Konzept der Volkswirtschaftslehre und beschreiben Auswirkungen des Handelns einer Person auf andere, unbeteiligte Personen. In diesem Fall entspricht das etwa dem Lärmausstoss eines Autos. Der Lärm wirkt sich negativ auf andere in der Nähe des Autos aus, der Fahrer muss dafür aber nicht geradestehen. Dasselbe ist beim CO2-Austoss von Verbrennern der Fall: durch das Fahren werden Treibhausgasemissionen verursacht, der Fahrer muss aber für die schädlichen Auswirkungen nicht aufkommen. Und was ist mit dem Parkieren eines Autos? Dieser Platz kann nicht von anderen Personen genutzt werden. Gerade Autos verbrauchen bei einer mittleren Auslastung von 1,6 Personen pro Auto in der Schweiz besonders viel Platz im Vergleich zu Zügen.

Wie könnte also ein gemeinsamer Weg zu effizienteren Verkehrsmitteln in der Bodensee-Region aussehen? Eine Möglichkeit wäre, das Verbraucherprinzip konsequent anzuwenden und grenzübergreifend CO2-Steuern einzuführen, den zusätzlichen Platzverbrauch in Rechnung zu stellen, eine Lenkungsabgabe je nach Lärmausstoss des Autos einzuführen. Dies ist politisch kaum umsetzbar, weshalb sich die staatlichen Akteure wohl eher um die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen bemühen sollten. Dies können bessere ÖV-Anbindungen, die Minimierung der externen Effekte durch Förderung der Elektromobilität, die Schaffung neuer Velowege und viele andere Massnahmen sein.

Für einen überregionalen Mobilitäts-Fahrplan

In einem grenzüberschreitenden Konzept könnten diese Massnahmen gebündelt werden. Schliesslich müssen sich alle Regionen des IBK-Raums den Herausforderungen der Mobilität der Zukunft stellen. Um Synergien zu nutzen und grenzüberschreitende Verkehrsanbindungen zu bieten, ist eine Kooperation zwischen den IBK-Partner Voraussetzung. Eine Möglichkeit wäre ein Mobilitäts-Fahrplan, welcher ergänzend zu den Mobilitätskonzepten der Regionen Impulse für grenzüberschreitende Mobilitätsangebote gibt. Wie es auch immer am Ende aussieht – die Internationale Bodenseekonferenz ist für eine solche Zusammenarbeit besonders geeignet. Schon 2005 wurde ein umfassendes grenzüberschreitendes Mobilitätsmanagementkonzept vorgestellt: es ist an der Zeit, dieses zeitgemäss neu zu konzipieren und alle Akteure mit ins Boot zu holen!

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Um mehr über externe Effekte herauszufinden, besuchen Sie den entsprechenden Eintrag im Vimentis Lexikon.

Patrick Louis

Patrick Louis

Patrick Louis (20) kommt aus der Schweiz, ist aber in verschiedenen europäischen Ländern aufgewachsen. Daher interessiert ihn die internationale Kooperation im Bodenseeraum besonders. Für SichtWeisen greift er regionale Themen mit überregionalem Hintergrund auf.

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