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Mobiltät und die Geschlechterfrage | SichtWeisen | Foto von Andrea Piacquadio von Pexels

Weshalb auch Mobilität eine Geschlechterfrage ist

Zum Thema Mobilität gibt es noch viele offene Fragen und Probleme, welche auch intensiv diskutiert werden. Ein Punkt wird dabei aber häufig übersehen: das Geschlecht.

Statistisch gesehen haben Frauen und Männer unterschiedliche Fortbewegungsmuster. Frauen unternehmen zahlreichere, kürzere Trips und sind häufiger mit dem öffentlichen Verkehr oder zu Fuss unterwegs. Männer hingegen nutzen öfter Autos. Dies hat verschiedene Gründe: Zum einen sind Frauen im Durchschnitt ärmer und zum anderen übernehmen sie einen grösseren Anteil an der Haushalts- und der Kinderbetreuung. So entstehen kürzere, aneinandergereihte Reisen, das sogenannte trip-chaining. So geht es für Frau zum Beispiel morgens zur Kita, danach zur Arbeit und abends dann erst zum Lebensmittelladen, vielleicht später noch mit dem Kind zum Hobby nach Wahl. Männer hingegen haben eher ein einfacheres Muster: Sie fahren morgens zur Arbeit und abends wieder nach Hause.

Das Problem der Datenlücke

Dem gegenüber steht aber eine Mobilitätsplanung, welche grösstenteils von Männern geplant wird. Das UVEK (Bundesamt für Umwelt, Verkehr Energie und Kommunikation) hat mit 37.6% die tiefste Frauenquote aller Bundesämter in der Schweiz. Dies sieht auch in anderen Europäischen Staaten nicht besser aus. Beim Thema Mobilität und Geschlechter existiert eine «Geschlechter-Datenlücke», wie Caroline Criado Perez es in ihrem Buch «Unsichtbare Frauen» nennt. Sie klagt vor allem zwei Punkte an: Erstens werden zu wenige geschlechterdegradierte Daten erhoben, um diese geschlechterspezifischen Mobilitätsmuster genau messen zu können und zweitens sind zu wenige Frauen in Entscheidungspositionen bei der Mobilitätsplanung. So werden in den männerdominierten Entscheidungsgremien Strassen überbudgetiert, beim öffentlichen Verkehr liegt der Fokus auf dem klassischen Pendler und Gehwege sind zu eng, als dass sich zwei Personen mit Kinderwagen komfortabel kreuzen könnten.

Quelle: https://womenmobilize.org/

Aktuelle Initiativen

Einige Forscher*innen, wie zum Beispiel Inés Sanchez de Madariaga, machen schon länger auf solche Probleme aufmerksam. 2018 fand in Leipzig erstmals die Konferenz «Woman mobilize Woman» statt, welche Frauen in der Transportbranche stärken möchte. Auch die UN-Kommission für den Frauenstatus hat explizit die Gleichberechtigung bei der Mobilität in ihre aktuellen Ziele aufgenommen. Forschung und Initiative zum Thema gäbe es also genug. Um dem Problem entgegenzuwirken, sollte als nächster Schritt die Geschlechtergleichstellung auch tatsächlich in die Mobilitätsplanung der öffentlichen Hand einfliessen.

Service Box

Zum Thema gibt es viel Literatur und Forschung, hier einige weiterführende Links

Judith Ebnöther

Judith Ebnöther

Judith Ebnöther (21) ist für ihr Studium der Politik- und Kommunikationswissenschaften in die Bodenseeregion gezogen. Ihre Interessen sind extrem vielfältig und so möchte sie mit ihren Texten Ideen und Ansichten von verschiedensten Menschen und Thematiken beleuchten.

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