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SichtWeisen | Wohnen im Unruhestand | (c) Ursula Meisser

Wohnen im Unruhestand

Europa wird immer älter. Prognosen gehen davon aus, dass bereits im Jahr 2030 mehr als die Hälfte aller Europäer*innen über 50 Jahre alt sein wird. Bereits heute gibt es in Österreich deutlich mehr Personen über 60 als unter 20. Dieser demografische Wandel bringt zahlreiche Herausforderungen mit, jedoch bietet er auch etliche Chancen. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit Wohnmodellen, die die Zukunft prägen könnten.

Die Silver Society gilt als kaufkräftige Gruppe. Sie ist fit und ungebunden und möchte – entgegen der Bezeichnung „Ruhestand“ – die Pension aktiv zur Selbstentfaltung nutzen. Entgegen dem alten Bild des zu Hause sitzenden Greises, beginnt die Silver Society in der Pension beispielsweise zu reisen und übt wiederentdeckte oder neue Hobbys aus. Das Erreichen des Pensionsantrittsalters allein sagt nichts über die Einstellung der Personen aus. Die Silver Society hat ein gewisses Mindset, welches das Altern nicht als Hürde ansieht. Die Vertreter*innen der Silver Society haben jedoch deutlich andere Wohnbedürfnisse als die klassischen Seniorenwohnheime. Synergien mit jüngeren Generationen könnten dabei zukunftsweisend werden.

Generationenhaus

Generationenübergreifende Wohnkonzepte werden vereinzelt schon umgesetzt. In Wien wurde bereits 2012 in einem Caritas-Heim ein Kindergarten eröffnet. Das Haus Sozialfonds Kreuz in Eschen, Liechtenstein, gilt als ähnliches Vorzeigeprojekt. Die Silver Society fühlt sich noch nicht alt genug, um in ein Seniorenheim zu gehen. Wohnmöglichkeiten, die unkompliziert Betreuung anbieten, aber trotzdem eigenständiges Wohnen ermöglichen, bieten sich hier an. Solche Generationenhäuser machen einen uneingeschränkten Austausch zwischen Alt und Jung möglich. Gerade in Zeiten der fortschreitenden Vereinsamung der älteren Bevölkerung und des teils fehlenden Zugangs zu Grosseltern würden beide Seiten enorm profitieren. Zusätzlich bringen die Kinder „Leben“ in die Häuser und halten die Bewohner weiterhin fit.

Hunziker-Areal als gelungenes Vorhaben

Das Areal in Zürich wurde unter dem Motto „mehr als wohnen“ entwickelt. Neben Generationenbegegnungen gibt es auch experimentellere Wohnformen wie beispielsweise Satellitenwohnungen. Diese „modernen WGs“ könnten auch in andere Städte einziehen. Das Hunziker-Areal bietet mehr als nur generationenübergreifendes Wohnen – nämlich eine komplexe Nachbarschaftsbeziehung, die funktioniert. Dieses Areal könnte als Vorbild für ähnliche Projekte dienen. Neue Wohnformen, die speziell an die Bedürfnisse der alternden Bevölkerung angepasst sind, werden aufgrund des demografischen Wandels in Zukunft umso wichtiger werden. Wohnen muss nicht mehr nur altersgerecht sein, sondern einen Mehrwert bieten, wobei auch die jüngere Generation davon profitieren kann. Die Bodenseeregion als Vierländer-Zusammenschluss bietet sich an, auch grenzüberschreitend generationenkompatible Wohnkonzepte zu entwickeln.

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Lisa-Maria Neussl

Lisa-Maria Neussl (28) hat im Rahmen ihres Studiums und zahlreicher Urlaube die Bodenseeregion kennen und lieben gelernt. Bei SichtWeisen beleuchtet sie Hintergründe gesellschaftlicher Trends und liefert Argumente zu aktuellen politischen Themen.

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