SichtWeisen

Eine Identität über Grenzen hinweg rüstet sich für die Zukunft

In der heutigen Zeit ist die Grenzthematik aktueller denn je. Doch die Region des Bodensees geht weit über geografische Grenzen hinaus. Zusammenhalt und Gemeinschaft beschreiben wesentliche Faktoren für eine Region. Im Zuge der zunehmenden Globalisierung und stetigen gesellschaftlichen Änderungen, verändert sich auch das Zusammenleben kontinuierlich. Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist aber essenziell für das Vorhandensein einer regionalen Identität. Wie kann die Region zukunftsfähig werden und besonders Junge miteinbeziehen?

Der Duden beschreibt das Wort Identität als „völlige Übereinstimmung mit jemandem, etwas in Bezug auf etwas“. Eine regionale Identität beschreibt dabei das Verbindende zwischen den unterschiedlichsten Menschen in einem begrenzten Raum, sie schafft den Bezug zur eigenen Heimat. Dies kann sich in täglich gelebten Traditionen widerspiegeln, gemeinsamen Bräuchen oder auch regionalen Spezialitäten. Das Besondere an der Bodenseeregion ist dabei eindeutig die Lage im Grenzraum: Zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner passieren die Grenzen mehrmals im Monat, manche sogar täglich, um beispielsweise zum Arbeitsplatz oder zur Ausbildungsstätte zu kommen. Die coronabedingten Grenzschliessungen wurden vielfach als sehr einschränkend wahrgenommen, gaben aber auch Anlass, die offenen Grenzen mehr wertzuschätzen. Um die Identität der Bodenseeregion weiter zu stärken, bietet es sich an, Bürgerinnen und Bürger aktiv einzubinden und Teil des Entwicklungsprozesses werden zu lassen.

Sport als identitätsstiftendes Element

Besonders junge Bewohnerinnen und Bewohner geniessen beispielsweise für die Freizeitgestaltung die Vorzüge der Bodenseeregion. Um die Wahrnehmung der Region an sich weiter zu stärken, würden sich grenzüberschreitende Sportwettbewerbe eignen. Als Beispiel fungiert der deutsche Bodensee Skatecup, der 2021 mit zumindest einem Abstecher in der Schweiz veranstaltet wurde. Eine Zusammenarbeit zwischen allen vier Nationalstaaten würde den Fokus auf die gesamte Region legen. Ein Skatecup, der neben Deutschland und der Schweiz auch in Vorarlberg sowie am Skatepark Mühleholz Halt macht, stärkt trotz des Wettbewerbscharakters das Miteinander und fördert den Austausch. Ein ähnliches Konzept könnte auf andere Sportarten übertragen werden. Auch ein Fussballcamp, das die Teilnehmenden in mehrere Orte der Region bringt, wäre zielführend.

Frühe Profilbildung für die Region

Je früher die Bevölkerung mit Identitätsaufbau in Berührung kommt, desto erfolgreicher lässt sich die Gemeinschaft stärken. Eine weitere Massnahme ist das Erstellen von Anschauungs- und Lernmaterialien zum Thema Bodenseeregion für Schulen. Die Vielfalt des Kulturraums soll so anschaulicher werden. Dies könnte mit einer kindergerechten Landkarte, die die Highlights der Region aufzeigt, vertieft werden. So wird das Bewusstsein bereits bei Kindern im Volksschulalter geschärft. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, werden sich regionale Kooperationen noch stärker auf die Zusammenarbeit fokussieren müssen. Inklusion und Miteinbeziehung sind, wie in vielen politischen Projekten, Schlüsselfaktoren. Die Bodenseeregion mit ihrer grenzüberschreitenden Plattform der Internationalen Bodensee Konferenz, gilt als zentrales Element für einen gemeinsamen Handlungsraum. Für Kinder und Jugendliche sollte anhand einzelner Projekte der Fokus auf die Identitätsbildung gelegt werden. Generell sollten Bürgerinnen und Bürger vermehrt miteinbezogen werden, denn, nur wer die Möglichkeit zur Partizipation hat, fühlt sich langfristig als Teil des grossen Ganzen.

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Lisa-Maria Neussl

Lisa-Maria Neussl (28) hat im Rahmen ihres Studiums und zahlreicher Urlaube die Bodenseeregion kennen und lieben gelernt. Bei SichtWeisen beleuchtet sie Hintergründe gesellschaftlicher Trends und liefert Argumente zu aktuellen politischen Themen.

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