SichtWeisen

Wir sind alle „Global Citizens“!

Ein Weltstaat mit nur einer Nation? Klingt utopisch und das ist es auch. Doch „Global Citizenship“ ist ein existierendes Konzept, das als Reaktion auf globale Herausforderungen für mehr Zusammenarbeit und Miteinander zwischen Menschen und Staaten plädiert. Wie der IBK-Raum diesen Leitgedanken bereits umsetzt.

Die Globalisierung vernetzt uns nicht nur sozial, politisch und wirtschaftlich, sondern macht auch gemeinsame Probleme sichtbar. Sie ist ein wichtiger Faktor, der eine grenzüberschreitende und internationale Zusammenarbeit erleichtert. Die EU und die UN sind Beispiele für zwischenstaatliche Zusammenschlüsse, die gemeinsame Ziele verfolgen. Und auch die Internationale Bodenseekonferenz (IBK) ist als überregionale Vereinigung beispielhaft dafür, wie eine gemeinsame Identität nicht auf Nationen beschränkt ist, sondern durch gemeinsame Werte und Ziele entsteht. 

Eine gemeinsame Identität schaffen

Häufig bestimmen „äusserliche“ Merkmale wie Geschlecht, Beruf, Sprache oder Nationalität die Identität eines Menschen. Sie ist jedoch nicht starr und geradlinig, sondern eine Entwicklung und ein dynamischer Prozess auf verschiedenen Ebenen, durch den Menschen mit ihrer Umwelt interagieren und sie mitgestalten. Identität ist also mehr als eine Staatszugehörigkeit, die uns innerhalb einer Gesellschaft Rechte und Pflichten gibt.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Sinne der UN oder der IBK soll daher nicht nur auf politischer Ebene zum Tragen kommen. Um globale Probleme gemeinsam anzugehen, braucht es zum einen den individuellen Willen und das Verständnis eines jeden Einzelnen. Zum anderen braucht es auch einen neuen Denkrahmen, der über nationale und politische Zugehörigkeit hinausgeht und ein „Wir-Gefühl“ schafft. Dabei soll nicht gegen eine nationale oder kulturelle Zuordnung argumentiert werden, sondern verschiedene Identitäten sollen innerhalb eines multikulturellen und globalen Zugangs ihren Platz finden. „Global Citizenship Education“ kann dabei helfen.

„Global Citizenship“ – Teil einer Weltgesellschaft

Die Agenda 30 der UN formuliert in einem der zehn Bildungsziele „Global Citizenship Education“ als „internationale Erziehung“, die zur grenzüberschreitenden Verständigung und Zusammenarbeit, dem globalen Frieden und der Wahrung der Menschenrechte beitragen soll. Ein „Global Citizen“ (Weltbürger*in) ist demnach eine Person, die durch ein gestärktes Verständnis von Zusammenhängen weltweite Probleme in ihrer sozialen, politischen und wirtschaftlichen Dimension erkennt.

Individuelle, kulturelle und nationale Differenzen können mit dem Bewusstsein einer übergeordneten Identität als Menschen, als Teil einer Weltgesellschaft, überwunden werden. Ein „Global Citizen“ kann die eigenen Handlungsmöglichkeiten auf proaktive Weise lokal, regional, national und global einsetzen und zeichnet sich durch Wissen, Kompetenzen sowie Werte und Einstellungen aus.

Der „Global Citizenship“-Ansatz fragt u.a. nach politischen Voraussetzungen, um als „Global Citizen“ leben zu können. Dabei steht die Teilhabe in einer globalen Gemeinschaft, die menschliche Identität und Solidarität und die weltweit gültigen Menschenrechte im Vordergrund.

Die Rolle der IBK

Im Sinne eines „übergeordneten“ Zugehörigkeitsgefühls, welches Zusammenarbeit fördert, übernimmt die IBK als kooperativer Zusammenschluss bereits Verantwortung auf regionaler Ebene. Durch gemeinsame Ziele und Werte schafft die IBK eine überregionale und transnationale Identität des Bodenseeraums. Sie leistet also einen wichtigen Teil, um ein „Wir-Gefühl“ der Region auf sozialer und politischer Ebene umzusetzen. Angesichts globaler Herausforderungen sollte es auch Bestreben der IBK sein die Region als Teil eines grossen Ganzen zu erfassen, als Teil einer Weltgesellschaft.

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Annalena Hassler

Annalena Hassler (23) ist gebürtige Vorarlbergerin und Lehramtsstudentin für die UF Deutsch und Psychologie sowie Philosophie an der Universität Wien. Für SichtWeisen möchte sie unter anderem auf aktuelle politische und soziokulturelle Themen eingehen, allen voran auf innovative Konzepte und alternative Überlegungen und die Frage, ob und wie diese den Bodenseeraum beeinflussen können.

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