SichtWeisen

Wenn Zersiedelung zu einer möglichen Bedrohung wird

Urbanisierung ist auf jeden Fall ein Megatrend. Es leben inzwischen weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Dies bringt Herausforderungen aller Art mit sich. Im Bodenseeraum ist momentan das Gegenteil der Trend: die Zersiedelung.

Laut einer gross angelegten Studie aus dem Jahr 2016, welche sich mit der Zukunft der Bodenseeregion auseinandersetze, ist dies eine der grossen, zu lösenden Problematiken in der Vierländerregion. Eine Zersiedelung verkleinert den für Tiere und Pflanzen wichtigen Lebensraum. So kann im Bodenseeraum seit Jahren ein Artenschwund von Vögeln beobachtet werden. Des Weiteren werden die Arbeitswege der Menschen länger, weil sie oft in urbane Zentren pendeln. Dies ist eine infrastrukturelle Herausforderung und auch nicht umweltschonend, da diese Wege oft mit dem Auto zurückgelegt werden. Ressourcen sind endlich und mit dem anhaltenden Prozess des Bevölkerungswachstums muss irgendwann eine Verdichtung stattfinden. Oder?

Zwei unterschiedliche Zukunftsprognosen

Laut der universitätsübergreifenden Studie zur Zukunft der Bodenseeregion, gibt es zwei unterschiedliche Zukunftsszenarien für die Raumentwicklung in den nächsten Jahren. Das erste nennen die Autor*innen «Grossstadt Bodensee». Im Fachjargon kommt dies dem Begriff der Suburbanisierung nahe. Der Zersiedelung wird hier nicht oder erst sehr spät entgegengearbeitet, und so würden die regionalen Zentren nach und nach mehr zusammenwachsen und ihren bestehenden Zentrumscharakter dabei aber immer mehr verlieren. Freie Grünflächen wären absolute Mangelware.

Das zweite Szenario wird «Vierländer-Metropole genannt». Was sich die Autor*innen darunter vorstellen, kann auch mit dem Begriff «Re-Urbanisierung» zusammengefasst werden. Dies sei nur möglich, wenn klare Massnahmen getroffen werden. Grünflächen müssen klar geschützt und Zentren gestärkt werden. Die Autor*innen versprechen sich mit dieser Strategie, trotz anhaltendem Bevölkerungswachstum, den üblicherweise dafür benötigen Flächenbedarf zu verkleinern.

Aufwertung der Städte

Um diese Re-Urbanisierung möglich zu machen, müssen städtische Quartiere aufgewertet werden. Das kann durch verschiedene Massnahmen geschehen. Dabei ist eine gute Infrastruktur zentral, aber auch Möglichkeiten für die lokale Kulturszene und lebendige Nachbarschaften spielen eine wichtige Rolle. Dies hat auch weitere Vorteile. Attraktive Zentren mit einem lebendigen und vielfältigen kulturellen Leben sprechen auch junge, qualifizierte Menschen an, welche bei guten Lebensbedingungen ihren Lebensmittelpunkt durchaus langfristig im urbanen Umfeld beibehalten würden. So könnte sich auch im Bodenseeraum der Trend wenden.

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Judith Ebnöther

Judith Ebnöther

Judith Ebnöther (21) ist für ihr Studium der Politik- und Kommunikationswissenschaften in die Bodenseeregion gezogen. Ihre Interessen sind extrem vielfältig und so möchte sie mit ihren Texten Ideen und Ansichten von verschiedensten Menschen und Thematiken beleuchten.

1 Kommentar

  • es gab einmal das jahr 2000 … an der htwg konstanz fand sich eine forschungsgruppe zusammen: “vision bodenseestadt … urbanität, mobilität, vernetzung”. prof. frid bühler, architekt, städteplaner, prof. raimund blödt, architekt, hochbau, u.a. . es entstanden eine ausstellung zur landesgartenschau in singen, zwei bücher, zahlreiche vorträge und symposien. ist ihnen dies bekannt? das ergebnis damals kommt ihrer version der re-urbanisierung sehr nahe. ja, es gibt auf diesem gebiet sehr viel zu tun … bleiben sie dran !!