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Nachhaltiger Konsum: Schuhe nach Hause liefern lassen, um sie wieder zurückzuschicken?

Der Konsum bildet in einer freien Marktwirtschaft, wie sie in der Bodenseeregion herrscht, den Grundpfeiler wirtschaftlicher Aktivität. Das Konsumverhalten der Bevölkerung hat sich im Laufe der Zeit einher mit geänderten Rahmenbedingungen drastisch verändert. Inzwischen sind Konsument*innen nicht nur um das Preis-Leistungs-Verhältnis, sondern auch mitunter um nachhaltige Aspekte besorgt. Doch Trends wie die Heimlieferung von Kleidungsstücken, um diese innerhalb der eigenen vier Wände anzuprobieren und sie nach Belieben kostenlos zurückzuschicken, rufen auch Kritik hervor. Beim grössten Mode-Online-Shop in der Schweiz wird inzwischen schon jede zweite Bestellung zurückgeschickt.

Unter Konsum wird „die Inanspruchnahme von Gütern und Dienstleistungen zur unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung durch private oder öffentliche Haushalte“ verstanden. Wir sind alle als Teil des Wirtschaftskreislaufes auf Konsum angewiesen, sei es durch den Einkauf von Lebensmitteln und anderen Gütern des täglichen Bedarfs, bis hin zu Konsumausgaben zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Konsumgesellschaft ist negativ konnotiert

Dennoch ist etwa der Begriff „Konsumgesellschaft“ negativ konnotiert, obschon er streng genommen lediglich die Funktionsweise der Gesellschaft in der Marktwirtschaft beschreibt. Allerdings wird diese dem modernen Verständnis von Nachhaltigkeit zuweilen nicht gerecht. Es werden Forderungen nach einer stärkeren Regulierung der Wirtschaftsaktivität laut, etwa mit staatlichen Vorgaben zum Umweltschutz. Doch diese können nur zielführende Rahmenbedingungen für die Produktion schaffen und nicht die Eigenverantwortung des Konsument:innen ersetzen. Schliesslich sollte sich jede*r bewusst sein, welche Auswirkungen der eigene Konsum hat.

Unternehmen setzen sich ein

Doch die Forderung nach mehr Nachhaltigkeit stösst auch bei den Unternehmen auf Verständnis. Der grösste Mode-Online-Shop in der Schweiz setzt sich verschiedene Ziele, so etwa eine Reduktion der Emissionen um 80 % im Vergleich zu 2017, oder die Einführung abfallminimierender Verpackungen bis 2023. Geschafft hat er auch schon einiges: Der Strom an allen Standorten ist zu 100 % erneuerbar und 87 % der Verpackungen wurden aus recycelten Materialien hergestellt.

Eigenverantwortung bleibt zentral

Der Impuls für einen nachhaltigen und sinnvollen Konsum und, daraus resultierend, eine nachhaltige Produktion, muss dennoch von den Konsument*innen selbst kommen. Es ist der Gesellschaft überlassen, wie sie mit den ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen umgehen will und wie wichtig ihr das Wohlergehen künftiger Generationen ist. Und so obliegt es wiederum jedem Einzelnen, sich zu fragen, ob es wirklich so sinnvoll ist, sich Schuhe online zu kaufen, nur um sie anzuprobieren und prompt wieder zurückzuschicken. Vielleicht ist der Besuch eines Schuhgeschäfts die sinnvollere Alternative.

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Patrick Louis

Patrick Louis (21) kommt aus der Schweiz, ist aber in verschiedenen europäischen Ländern aufgewachsen. Daher interessiert ihn die internationale Kooperation im Bodenseeraum besonders. Für SichtWeisen greift er regionale Themen mit überregionalem Hintergrund auf.

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