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SichtWeisen | Angst vor der Zukunft | Foto von Keenan Constance von Pexels

Angst vor der Zukunft – So entsteht ein immer grösserer Generationenkonflikt

Dass die Meinungen der jüngeren und älteren Generationen in gewissen Punkten divergieren und dadurch Konflikte entstehen, war, ist und wird wohl auch in Zukunft so sein. Die Umstände unter denen Generationen aufwachsen, sind unterschiedlich und so sind auch deren Lebenseinstellungen verschieden. Die Auswirkungen und Belastungen durch die Coronakrise zeigen, dass die bestehenden Generationenkonflikte grösser werden könnten.

2020 war wohl für die Allermeisten ein herausforderndes Jahr. Corona hat unser Leben auf den Kopf gestellt und nachhaltig verändert. Jedoch gibt es auch sehr grosse Unterschiede zwischen den Generationen. Die älteren Generationen sind von der Pandemie stärker betroffen, vor allem in Bezug auf die gesundheitlichen Auswirkungen. Ältere Menschen sind bei einer Coronaerkrankung erwiesenermassen gefährdeter. Jedoch geht aus einem Bericht der Gesundheitsförderung Schweiz über die Belastung der Corona-Pandemie der Schweizer Bevölkerung hervor, dass die psychische Belastung durch die Pandemie für unter 30-Jährige höher ist als für ältere Menschen. Aber dies sind nicht die einzigen Auswirkungen für die junge Bevölkerung. Der deutsche Forschungsverbund: «Kindheit – Jugend – Familie in der Corona-Zeit» hatte bereits im Frühling 2020 versucht, durch eine Umfrage das Stimmungsbild der unter 20-Jährigen abzubilden. Im Herbst haben die Forscher*innen darauf aufgebaut und nochmals Umfragen durchgeführt. Die Ergebnisse waren alarmierend: 45 % der unter 20-Jährigen gaben an, dass sie Angst vor der Zukunft haben. Ein Drittel der Befragten gab an, sie fühlten sich einsam. Dazu kommt: 65 % der Teilnehmer*innen gaben an, sie fühlten sich von der Politik vernachlässigt und hätten das Gefühl, dass ihre Bedürfnisse bei den Coronamassnahmen nicht einbezogen werden.

Optimismus für Zukunft nimmt ab

Das Jugendbarometer der Credit Suisse zeigt einen langfristigen Trend: Seit zehn Jahren sinkt der Zukunftsoptimismus der jungen Menschen stetig. 2020 haben sich weniger als die Hälfte der Befragten als «eher optimistisch» bezeichnet, wenn sie an die Zukunft denken. Eine weitere Erkenntnis: Das politische Engagement und Interesse der Jungen steigen. Die Generation Z wird in einem aktuellen Forschungspapier als politisch leidenschaftlich beschrieben, die versuche bei Problemen «Handlungen zu ihrer Lösung zu erzwingen». Eine junge Generation, welche politisch sehr aktiv ist, sich aber von Politiker*innen vernachlässigt fühlt und angstvoll in die Zukunft blickt? Dies tönt nach einer explosiven Mischung. Und trotzdem haben sich die politischen Coronamassnahmen im neuen Jahr bisher kaum an die Forderungen der Jungen angepasst. Das uns Corona noch mindestens 2021 begleiten wird, ist klar. Und auch danach gibt es noch genug Probleme, welche generationenübergreifend gelöst werden müssen. Deshalb sollte in naher Zukunft auch wieder mehr auf die Forderungen der Jungen eingegangen werden, sonst könnte der Generationengraben bald unüberwindbar tief werden.

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Judith Ebnöther

Judith Ebnöther

Judith Ebnöther (21) ist für ihr Studium der Politik- und Kommunikationswissenschaften in die Bodenseeregion gezogen. Ihre Interessen sind extrem vielfältig und so möchte sie mit ihren Texten Ideen und Ansichten von verschiedensten Menschen und Thematiken beleuchten.

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